Rudolf A. Treumann: Das Klimabeben
Lettre International 128
Die allgemeine Ratlosigkeit angesichts der atmosphärischen Erwärmung
Rudolf A. Treumann, Prof für Geophysik, LMU München
- Bereits Svante Arhenius, Chemie Nobelpreisträger 1903 warnte 1896 vor der mennschengemachten Klimaerwärmung
- Vulkane, die Verwitterung von kalkhaltigen Gesteinen bewirkten schon immer einen \(CO_2\) und \(CH_4\) Anstieg. Derzeit ist der Anteil des Vulkanismus vernachlässigbar. Das gilt auch für die Sonne als Faktor der Klimaerwärmung.
- Unsere aktuelle Warmzeit hat vor ca. 11.000 Jahren angefangen, eine Kaltzeit können wir in ca. 30.000 Jahren erwarten
- Seit dem sprunghaften Anstieg der Industrialisierung (ca. 1850 / 1870) stellen wir eine Anstieg der Temperatur um ca. 1,7°C pro Jahrhundert fest. Derzeit beträgt die globale Durchschnittstemperatur 14°C. Bei einem Anstieg der Durchschnittstemperatur werden wir häufiger Spitzentemperaturen von 50-60°C erleben
- "Das Malthussche demografische Problem verschiebt sich vollständig auf das Klima"
- Die Erderwärmung ist komplex. Es werden sich unter anderem auch die Ozeane verändern, z.B. der Verlauf des Golfstroms, Mikroben, die Umformer von \(CO_2\) in Kalk, werden sterben und damit auch deren \(CO_2\) Bindekapazität. Grund ist unter anderem, daß das Schmelzen des Polareises die obere Wasserschicht der Meere salzärmer macht und eine Vermischung der Wasserschichten beeinträchtigt
Was kann man tun?
- Es ist nicht immer klar was wirksam gegen die Temperaturerhöhung wirkt. Falsches Herangehen kann sogar Schäden anrichten (was hier im Artikel nicht stringent dargestellt wird, trotz der vielen Beispiele)
- Freie Märkte: bisher hat die Natur mitgespielt wenn wir erst handeln wenn es keinen Ausweg mehr gibt, und uns zwischendurch mit dem Löschen "kleinerer" Brände beschäftigen. Das ist die Einstellung des sich selbst regulierenden freien Marktes.
- Technologie: ungebremste technologische Entwicklung hat uns in die Arme des Klimawandels getrieben
- Unmöglichkeit des Wandels: die Ausbeutung der Natur läßt sich kaum unterbinden, der Verzicht auf fossile Energie kaum realisieren, da es auf erhebliche Widerstände stoßen wird.
- Käuflichkeit: Warum sind Wasser, Luft und Lebensraum nicht unverkäuflich
- Eine Vielzahl an Technologien, die \(CO_2\) und \(CH_4\) Ausstoß verringern sollen, alle haben ihre Grenzen bzw. Unmöglichkeiten:
- Atomkraft - hier sind es Endlichkeit der Ressourcen und ungelöstes Abfallproblem
- Solarzellen: hoher Ressourcenverbrauch in der Herstellung
- Nutzung der Sonnenenergie mit Parabolspiegeln die Wasser verdampfen zur Stromherstellung. Sehr effizient aber ähnliche Probleme wie Desertec
- Wolkenmanagement
- Alufolien in arktischen Regionen
- Lichtreflektoren in der Wüste
- Weiße Flachdächer in Städten
- Chemikalien die Kalkausfällung in den Ozeanen beschleunigen
- E-coli Bakterien die vom Abbau von \(CO_2\) leben
- Aufforstung aller nicht für den Ackerbau benötigten Flächen, also auch Weideland bei gleichzeitig stabiler Bevölkerungszahl und gerechter Verteilung, dann könnten alle ernährt werden
- Aufforstung aller nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen, der Abbau des Amazonas-Waldes zeigt das wir das Gegenteil machen. Allerdings auch 40 Mio. Bäume in Äthiopien pflanzen (Der Spiegel spricht von deutlich höheren Zahlen) . Woher werden wir soviel Setzlinge bekommen?
- Begrünung von Flachdächern
- Angepaßte Architektur mit natürlicher Luftzirkulation
Umgang mit der Natur
- Vertrag mit der Natur, sie ist die Stärkere
- Es sind kollektive Anstrengungen notwendig, die nicht alleine die Wissenschaft bewältigen kann
- Es geht um praktische, nicht wissenschaftliche Probleme
- Der kapitalistische ökonomische Narzissmus erweist sich als hilflos
- Das individuelle über das kollektive Wohlergehen zu stellen wird an sein Grenzen kommen
- Wird es ein kleine Gruppe von Privilegierten geben, die sich technologische Lösungen leisten kann und sich vom Rest der Welt abschottet? Jedoch die Nicht-Privilegierten als Markt für den eigenen Wohlstand brauchen ?
- Die Nicht-Privilegierten haben eine Chance, die auf Markt-Verweigerung zur Klimakrisenbewältigung basiert, z.B. Ein-Kind-Familie und damit wäre den Privilegierten die ökonomische Basis entzogen (das erscheint mir eher seltsam, da es bedeuten würde, daß die Masse sich dem Markt verweigert und in den oberen Teilen des Essays wird die Unmöglichkeit des Wandels postuliert
Neuer Mensch?
Oder wird die Klimakrise kommen und sich wie in alten Zeiten eine neue oder besser entwickelte Version des Homo sapiens sapiens enstehen? So wie die Echsen mit der Klatzeit den Säugetieren weichen mussten, oder besser formuliert: die Säugetiere waren schon vorher besser an die Kälte angepasst und konnten so die Erde "erobern".
Oder kann der Mensch weise werden und den Verbrauch an fossilen Ressourcen unterbinden? Und vielleicht wenn die Kaltzeit kommt durch gezielte \(CO_2\) und \(CH_4\) Injektionen in die Atmosphäre den Planeten gemütlich halten?